22.- 25.9
2020

RT 06

Podiumsdiskussion

Deutsche Afrikapolitik - eingeholt von Kolonialvergangenheit, Diaspora-Aktivismus und Migrationsrealitäten

Auf Einladung des Arnold-Bergstraesser-Instituts, Freiburg

 

23/09/20 2 – 3.30 pm Room 1.812 (Casino building)

 

Short abstract:

Dieser Round Table ist der Versuch einer Standortbestimmung. Er beschäftigt sich mit (Dis-)Kontinuitäten in der deutschen Afrikapolitik und den Diskursen im Kontext neuer Gegebenheiten.

Long Abstract:

Lange Zeit schien es wenig – oder wenig Neues – zu deutscher Afrikapolitik zu sagen zu geben: Scheckbuchdiplomatie, Dominanz der Entwicklungszusammenarbeit, geringe Bedeutung für den deutschen politischen Diskurs. Dies hat sich in den letzten Jahren dramatisch geändert. Bundeskanzlerin Merkel reist regelmäßig nach Afrika, die Diskussion um koloniale Raubgüter wird nirgends heftiger geführt als in Deutschland, Diaspora-Gruppen haben sich so organisiert, dass sie nicht mehr übersehen werden. Zivilgesellschaftliche, post-koloniale Initiativen besetzen öffentlichen Raum. Gleichzeitig hat sich die innenpolitische Debatte in Deutschland polarisiert und vom rechten politischen Rand werden viele neue Kooperationsangebote sowie Ressourcentransfers grundsätzlich in Frage gestellt. Damit ist der Rechtfertigungszwang für deutsche Afrikapolitik fühlbar gestiegen. Auch stellt sich die Frage nach dem Stellenwert und der Bedeutung von Afrika in Deutschland mehr denn je.

Im Anschluss an einen kürzlich erschienenen Sammelband (Deutschland und Afrika – Anatomie eines komplexen Verhältnisses. Frankfurt 2019) öffnet diese Podiumsdiskussion den Blick auf Chancen und Herausforderungen deutscher Afrikapolitik etwas mehr als 100 Jahre nachdem das Kapitel formaler deutscher Kolonialherrschaft beendet wurde: Ist Berlin frei vom kolonialen Ballast, den Frankreich, Großbritannien und Portugal lange mit sich trugen? Welches Verhältnis pflegen Entscheidungsträger, Medien und Gesellschaft zu Afrodeutschen und migrantischen Diasporagruppen? Welche Instrumente deutscher Afrikapolitik sind für den Austausch zwischen den Kontinenten am besten geeignet? Was ist von dem Begriff der kolonialen Amnesie zu halten?

Moderation: Andreas Mehler (Arnold-Bergstraesser-Institut, Freiburg)
Panel:

Mahret Ifeoma Kupka,  Kuratorin Mode, Körper und Performatives, Museum Angewandte Kunst, Frankfurt a.M.

Boniface Mabanza Bamba, Kirchliche Arbeitsstelle Sdliches Afrika, Heidelberg

Henning Melber, Nordic Africa Institute, Uppsala